Anzeichen für Mobbing

von Lübecker-Anwalt.de für den Bereich Arbeitsrecht
Betroffene, Vorgesetzte, Kollegen und involvierte Familienangehörige stehen den auf den ersten Blick harmlos erscheinenden Problemen oftmals hilflos gegenüber. In der Bundesrepublik durchleiden geschätzte zwei Millionen Menschen jeden Tag Psychoterror am Arbeitsplatz. Mobbinghandlungen ziehen sich in der Regel über mehrere Monate hinweg und bedeuten für den Betroffenen am Ende gesundheitliche (insbesondere psychische) Schädigungen. Am Ende steht häufig eine Kündigung des Arbeitsverhältnisses, entweder durch den Arbeitgeber oder durch den Arbeitnehmer. Aufgrund der Belastung sind die Betroffenen oft arbeitsunfähig geworden. Mobbing ist mehr als nur der alltägliche Konflikt und die Streiterei am Arbeitsplatz (auch Stress genannt). Zudem ist Mobbing keineswegs neu, auch wenn dies in den letzten Jahren vermehrt in der Öffentlichkeit diskutiert worden ist. Es war schon immer ein Problem der Arbeitswelt. Im Zusammenhang mit der Verschärfung von Leistungsdruck und Konkurrenz in Betrieben ist dieses Thema jedoch wieder besonderes aktuell geworden. Mobbing äußert sich exemplarisch in folgenden Handlungen: * Vorgesetzte schränken die Möglichkeiten ein, sich zu äußern; * der Betroffene wird ständig unterbrochen; * KollegInnen schränken die Möglichkeiten ein, sich zu äußern; * Anschreien oder lautes Schimpfen durch Vorgesetzte und KollegInnen; * ständige Kritik an der Arbeit oder am Privatleben; * Telefonterror; * Mündliche Androhungen unter vier Augen, schriftliche Drohungen (eher selten - wegen des Beweises); * Verbreitung von Gerüchten; * man macht jemanden lächerlich; * Verdächtigungen psychischer Erkrankungen; * man macht sich über eine Behinderung lustig; * man weist dem / der Betroffenen keine Arbeitsaufgaben mehr zu; * Kontaktverweigerung durch abwertende Blicke oder Gesten; * Kontaktverweigerung durch Andeutungen, ohne dass man etwas direkt ausspricht; * Vermeidung von Kontaktaufnahmen mit dem / der Betroffenen; * man lässt sich nicht ansprechen; * hinter dem Rücken der / des Betroffenen wird schlecht über sie / ihn gesprochen; * Verteilung von sinnlosen Arbeitsaufgaben oder weit unter ihrem / seinem eigentlichen Können liegenden Aufgaben; Die einzelnen Handlungen mögen für sich genommen harmlos erscheinen. Die Gesamtschau vieler, aufeinander folgender Handlungen der genannten Beispiele sind jedoch alles andere als harmlos zu werten. Dabei können die Ursachen für Mobbing vielfältig sein. So führen Mängel in der Organisation des Betriebes, das Führungsverhalten Vorgesetzter oder auch eine besondere soziale Stellung des Betroffenen zu sich aneinander reihenden Mobbinghandlungen. Diese sind anfangs selbst für den Betroffenen nicht immer gleich zu erkennen, weiten sich dann aber schnell aus. Ist die Lawine einmal ins Rollen gekommen, so stehen am Ende häufig nur noch sehr schwer zu lösende Konflikte mit den bereits beschriebenen, gesundheitlichen Erkrankungen der Betroffenen. Für die Betroffenen gilt es sich rechtzeitig bei einem unabhängigen Dritten (Arzt, Verein oder Rechtsanwalt) oder dem Betriebsrat in Beratung zu geben. Um überhaupt Rechte geltend machen zu wollen und gegebenenfalls eine Änderung / Unterlassung beim Arbeitgeber zu erwirken, ist eine ordentliche Dokumentation des Geschehnisse unerlässlich (so genannte Mobbingtagebuch). Mit Hilfe eines Dritten sollte das weitere Vorgehen genau abgesprochen werden. Ausschlaggebend für das weitere Verhalten und den Umgang mit dem Konflikt ist in erster Linie, wie weit dieser bereits fortgeschritten ist. Ab einem gewissen Punkt sind Beschwerden an den Arbeitgeber oder Vorgesetzten nicht mehr sinnvoll. Soweit gerichtliche Hilfe unerlässlich erscheint, so hat der Betroffene die Möglichkeit auf Unterlassung der Handlungen zu klagen und einen Schmerzensgeldanspruch für das Erlittene geltend zu machen. Weitergehend kommt eventuell eine Eigenkündigung in Betracht, die mit entsprechenden Abfindungssummen ausgeglichen werden sollte. In besonders starken Fällen kann sogar eine Zurückbehaltung der Arbeitsleistung in Betracht kommen. Die Inanspruchnahme gerichtlicher Hilfe sollte jedoch erst dann genutzt werden, wenn andere Versuche zur Konfliktlösung seitens des Betroffenen und / oder des Arbeitgebers gescheitert sind. Stand: 24.06.2008
06/2008
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